Hyperhidrose
Dermatologie
Hyperhidrose

Unter Hyperhidrose versteht man eine Schweißproduktion, die das physiologisch notwendige Maß überschreitet.

Übermäßiges Schwitzen

In einer großen deutschen Studie mit 14.336 Teilnehmern gaben 16,3% der Befragten an, an eine Hyperhidrose zu leiden. Besonders betroffen von der Hyperhidrose waren 6,1% der Befragten, die die störende Schweißbildung mit häufig oder kontinuierlich beschrieben. Von den Patienten mit einer fokalen Hyperhidrose gaben 55% an, keinen Arzt konsultiert zu haben. Die Autoren der Studie sehen darin eine der Ursachen dafür, dass nur ein kleiner Teil der Patienten nach Leitlinie behandelt wird (Augustin et al. 2013). Aufgrund des weiten differentialdiagnostischen Spektrums der Ursachen für die vermehrte Schweißneigung ist eine gründliche Anamnese unter Berücksichtigung der Lebensgewohnheiten wie auch einer Medikamenteneinnahme wichtig.

Die übermäßige Schweißproduktion kann entweder fokal oder generalisiert auftreten und wird in primäre und sekundäre Hyperhidrose eingeteilt. Während die primäre (idiopathische) Hyperhidrose ohne Grunderkrankung auftritt, liegen bei der sekundären Hyperhidrose endokrine, neuropathologische, entzündliche, infektiöse oder maligne Grunderkrankungen vor. Andere Formen der Hyperhidrose sind die physiologische sowie gustatorische Hyperhidrose.

Abb. 1: Primäre und Sekundäre Hyperhidrose

Belastung durch übermäßiges Schwitzen

Für 40% der Patienten besteht ein physisches Unwohlsein (Lenefsky et al. 2018). Menschen mit Hyperhidrose stehen durch ihr übermäßiges Schwitzen unter einem erheblichen psychosozialen Stress und sind oft sowohl privat als auch im Berufsleben erheblich beeinträchtigt. Einer Studie zufolge ist bei einem Sechstel der Menschen mit Hyperhidrose die Schweißbildung so stark, dass sie sich negativ auf den Alltag auswirkt (Strutton et al. 2004). 50-70% der Betroffenen müssen ihre Kleidung mehr als zweimal täglich wechseln und verbringen dadurch bis zu einer Stunde zusätzlich am Tag, um mit den Symptomen zurecht zu kommen (Lenefsky et al. 2018).

Checkliste für die richtige Diagnose

Um die Diagnose Hyperhidrose zweifelsfrei stellen zu können, sollte vorab eine Anamnese erfolgen, die insbesondere eine sekundäre Hyperhidrose ausschließt. Die folgenden Fragen können bei der Charakterisierung der primären Hyperhidrose helfen: (S1-Leitlinie, 2017)

  • Beginn der Symptome im Kindes- oder Jugendalter (< 25 Jahre)
  • Auftreten des Schwitzens temperaturunabhängig, unvorhersehbar, und nicht willentlich kontrollierbar
  • Fokales Auftreten in einer oder mehreren Prädilektionsstelle(n) mit beidseitigem, symmetrischen Befall
  • Auftreten öfter als 1x / Woche mit Beeinträchtigung im Alltag
  • Kein vermehrtes Schwitzen während des Schlafes
  • Positive Familienanamnese

Die Schwere der Hyperhidrose und die Einschränkungen der Lebensqualität können mit validierten Fragebögen wie HDSS (Hyperhidrosis disease severity scale) oder dem DLQI (dermatology life quality index) eingeschätzt werden (S1-Leitlinie, 2017) .

Therapieoptionen

Im folgenden Therapieschema erhalten Sie einen Überblick über die Therapieoptionen der primären Hyperhidrose. Das Therapieschema basiert auf den Leitlinien der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (S1-Leitlinie, 2017).  

Schema nach Leitlinie 2017

axilläre Hyperhidrose

palmare und plantare Hyperhidrose

Topische Therapie mit Antiperspiranzien

 Topische Therapie mit Antiperspiranzien

Leitungswasser-Iontophorese

Leitungswasser-Iontophorese

 Injektionstherapie mit Botulinumtoxin A (Botox)

Injektionstherapie mit Botulinumtoxin A (Botox)

Behandlung mit Radiofrequenz, Mikrowellen oder Ultraschall

Systemische Therapie mit Anticholinergika bzw. Neuroleptika oder Psychopharmaka mit anticholinergischer Wirkung

 Chirurgische Schweißdrüsenentfernung: Kürettage, Saugkürretage oder Exzision

Thorakale Sympathektomie

Systemische Therapie mit Anticholinergika bzw. Neuroleptika oder Psychopharmaka mit anticholinergischer Wirkung

 

Quelle: S1-Leitlinie 013-079: Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. Stand 11/2017

Eine effektive Therapie kann für die Betroffenen eine wesentlich höhere Lebensqualität bedeuten (Müller et al. 2013)  


Referenzen:

Augustin M et al. Prevalence and disease burden of hyperhidrosis in the adult population. Dermatology 2013, 227:10-13

Lenefsky M, Rice ZP, Hyperhidrosis and its impact on those living with it.  Am J Manag Care. 2018 Dec;24(23 Suppl):S491-S495.

Müller C et al. Efficacy and safety of methanteline bromide (Vagantin®) in axillary and palmar hyperhidrosis: results from a multicenter, randomized, placebo-controlled trial. J Eur Acad Dermatol Venereol 2013, 10:1278-1284

Strutton DR et al. US prevalence of hyperhidrosis and impact on individuals with axillary hyperhidrosis: Results from a national survey. J Am Acad Dermatol, Vol 51, No 2, August 2004

S1-Leitlinie 013-079: Definition und Therapie der primären Hyperhidrose. Stand 11/2017

 

  • Motiv Schwitzen: Bildagentur PantherMedia / Andriy Popov